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Zu Gast in Schwarzenborn Schwalm-Eder-Kreis

Der Schwarzenbörner Streich

Manche nennen Schwarzenborn das Schilda Nordhessens, und am liebsten tun das die Schwarzenbörner selbst.

Ein Schildbürgerstreich ist eine Geschichte, in der die Bewohner eines Ortes ein Problem so umständlich und unvernünftig wie möglich lösen. Am bekanntesten ist die aus Schilda, wo die Bürger ihr neues Rathaus ohne Fenster bauten und das Licht dann in Säcken hineintragen wollten. Solche Geschichten gibt es in vielen Gegenden Deutschlands, und fast immer erzählen die Betroffenen sie selbst weiter. Wer über sich lachen kann, dem muss niemand mehr mit Spott kommen.

Schwarzenborn hat gleich mehrere davon, und die Stadt führt ihre „Schwarzenbörner Streiche“ bis heute als Markenzeichen. Der bekannteste geht so.

Der Stadtbulle auf der Mauer

Früher hatte der Ort eine mächtige Stadtmauer, und oben auf dieser Mauer wuchs saftiges, grünes Gras. Die Schwarzenbörner wollten es nicht verkommen lassen und berieten, wie es sich am besten nutzen ließe.

Am Ende setzte sich ein Vorschlag durch: Der Stadtbulle sollte es abweiden.

Nun musste der ausgewachsene Bulle nur noch auf die hohe Mauer. Kräftige Männer stellten sich oben auf und ließen ein Seil herunter, das man dem Tier um den Hals legte. Dann zogen die einen von oben, und die anderen schoben von unten. Mit jedem Ruck zog sich das Seil enger zusammen. Als der Bulle fast oben war, hing ihm die Zunge aus dem Maul, und einer der Männer rief begeistert:

„Seht ihr, er leckt schon!“

Sie zogen ihn ganz hinauf. Oben angekommen, rührte sich der Stadtbulle nicht mehr.

Warum die Geschichte so endet

Das Ende ist hart, und so war es gemeint. Schildbürgergeschichten sind derbe Lehrstücke aus einer Zeit, in der man mit Vieh und mit dem Tod anders umging als heute. Die Männer sind so stolz auf ihren Einfall, dass sie das Offensichtliche nicht sehen wollen, und davon lebt die Pointe.

Wenn Sie die Geschichte Kindern erzählen, können Sie beim Ausruf „Er leckt schon!“ aufhören. Bis dahin ist sie ein Witz.

Und die Mauer?

Ein Stück der historischen Stadtmauer steht bis heute im Ort. Dass dort jemals ein Bulle geweidet hat, darf man bezweifeln.