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Zu Gast in Schwarzenborn Schwalm-Eder-Kreis

Der neue Wehrdienst: was Sie jetzt wissen sollten

Seit dem 1. Januar 2026 gilt das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Der Bundestag hat es am 5. Dezember 2025 mit 323 gegen 272 Stimmen beschlossen. Wenn Sie 2008 oder später geboren sind, betrifft es Sie unmittelbar. Hier steht das Wichtigste in Kürze, alle Einzelheiten erklärt die Bundesregierung auf ihrer Seite zum neuen Wehrdienst.

Was auf Sie zukommt

Der Fragebogen. Alle 18-Jährigen ab dem Jahrgang 2008 bekommen einen Fragebogen zu Ausbildung, Fitness und Dienstbereitschaft. Männer müssen ihn ausfüllen, sonst drohen nach einer Mahnung 250 Euro Bußgeld. Für Frauen ist er freiwillig.

Die Musterung. Ab dem 1. Juli 2027 müssen alle Männer zur Musterung, die nach dem 31. Dezember 2007 geboren wurden. Das gilt auch für jene, die den Dienst verweigern wollen. Von den 24 Musterungszentren liegt Kassel Schwarzenborn am nächsten.

Der Dienst. Der Wehrdienst ist freiwillig und dauert mindestens sechs Monate. Sie erhalten mindestens 2.600 Euro brutto im Monat, die Unterkunft ist darin enthalten. Wer sich für zwölf Monate oder länger verpflichtet, bekommt rund 2.700 Euro und einen Zuschuss zum Führerschein. Die Bundeswehr will Wehrdienstleistende möglichst nah am Wohnort einsetzen. Für junge Leute aus dem Knüll kann das die Knüll-Kaserne sein.

Wenn Sie nicht dienen wollen

Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nach Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes gilt unverändert. Den Antrag können Sie stellen, sobald Sie den Fragebogen erhalten haben.

Zurzeit wird niemand eingezogen. Eine Wehrpflicht könnte der Bundestag nur mit einem eigenen Gesetz einführen. Anerkannte Verweigerer müssten dann Zivildienst leisten.

Wo Sie sich informieren können

Wenn Sie aus der Region kommen, können Sie auch einfach in der Knüll-Kaserne anrufen und fragen. Die Nummer des Presseoffiziers steht auf unserer Seite zur Bundeswehr in Schwarzenborn.

Die Rechtslage kann sich ändern. Verbindlich sind die Auskünfte der offiziellen Stellen. Stand dieser Seite: Oktober 2026.

Häufige Fragen

Ab wann gilt der neue Wehrdienst?

Seit dem 1. Januar 2026.

Wer bekommt den Fragebogen?

Alle 18-Jährigen ab dem Jahrgang 2008. Männer müssen ihn ausfüllen, für Frauen ist er freiwillig.

Ab wann muss ich zur Musterung?

Ab dem 1. Juli 2027, wenn Sie ein Mann sind und nach dem 31. Dezember 2007 geboren wurden.

Wie viel verdient man beim neuen Wehrdienst?

Mindestens 2.600 Euro brutto im Monat einschließlich Unterkunft.

Kann ich den Wehrdienst verweigern?

Ja, das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung gilt weiter. Zur Musterung müssen Sie trotzdem.

Ein persönliches Wort

Der folgende Abschnitt gibt unsere eigene Meinung wieder und gehört nicht zur Sachinformation oben.

Wenn Sie achtzehn sind und das hier lesen, haben Sie vermutlich andere Sorgen: den Abschluss, die Ausbildung oder das Studium und die Frage, wo Sie in fünf Jahren stehen wollen. Und dann kommt vom Staat ein Fragebogen, um den Sie nicht gebeten haben.

Wir möchten Ihnen trotzdem etwas mitgeben. Wir haben Jahrzehnte in einem Land gelebt, in dem der Frieden so selbstverständlich war, dass man ihn kaum noch bemerkt hat. Seit Februar 2022 zeigen die Nachrichten jeden Abend, wie es aussieht, wenn er fehlt, und das keine tausend Kilometer von hier.

Angst wollen wir Ihnen damit nicht machen. Wer aus Angst zur Bundeswehr geht, geht aus dem falschen Grund. Uns geht es um etwas anderes: Frieden bleibt nur, wenn Menschen daran arbeiten, in der Diplomatie, in der Politik und eben auch in Uniform.

Was Sie beim Bund lernen, ist weniger heldenhaft, als es in Werbefilmen aussieht. Sie stehen morgens auf, auch wenn Sie keine Lust haben. Sie kommen mit Leuten aus, die Sie sich nicht ausgesucht haben, und übernehmen Verantwortung für andere, bevor Sie sich dafür reif fühlen. Dabei merken Sie ziemlich schnell, was Sie können und was nicht.

Es kann auch anders laufen. Manche haben sich bei der Bundeswehr nie wohlgefühlt. Es gibt Wochen, in denen der Dienst stumpf ist und man sich fragt, wozu das alles gut sein soll. Und im Ernstfall können Sie in Lagen geraten, die niemand freiwillig sucht. Wer Ihnen das verschweigt, meint es nicht gut mit Ihnen.

Deshalb steht oben auch das Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Sie dürfen Nein sagen, das Grundgesetz garantiert es Ihnen, und niemand ist deshalb ein schlechterer Mensch. Nützlich machen kann man sich auch im Sozialen, im Katastrophenschutz oder bei der Feuerwehr.

Denken Sie aber darüber nach, bevor Sie den Fragebogen weglegen. Im Knüll haben Sie dafür eine Gelegenheit, die anderswo fehlt, denn die Kaserne liegt drei Kilometer entfernt und im Nahkauf sitzen morgens Soldaten beim Kaffee. Fragen Sie sie. Von ihnen erfahren Sie mehr als aus einer Broschüre oder von einer Website wie dieser.