Zum Inhalt springen
Zu Gast in Schwarzenborn Schwalm-Eder-Kreis

Die Geschichte von Schwarzenborn

Fast jeder Besucher fragt irgendwann, wieso dieser kleine Ort eine Stadt ist. Die kurze Antwort: Er ist es seit rund 700 Jahren, und Stadtrechte verfallen nicht, wenn die Einwohnerzahl sinkt. Die längere Antwort hat Lücken, und gerade die machen sie interessant.

Niemand weiß genau, wann Schwarzenborn Stadt wurde

Die Urkunden, mit denen Schwarzenborn gegründet und mit Stadtrechten belehnt wurde, existieren nicht mehr. Geblieben sind Indizien und die Deutungen mehrerer Generationen von Ortshistorikern, die sich untereinander nicht einig sind. Wir geben hier wieder, was die Quellen sagen und wo sie auseinandergehen.

812 wird die Kirche von Schlitz geweiht. In der Grenzbeschreibung aus diesem Anlass taucht ein Ort namens „Suuarzenbrunnen“ auf. Dass damit das heutige Schwarzenborn gemeint ist, gilt als wahrscheinlich, bewiesen ist es nicht.

1173 soll Graf Friedrich von Ziegenhain den Ort gegründet haben. So schreibt es der Geschichtsforscher Wiegand, der als Einziger ein bestimmtes Jahr nennt. Merian und Engelhardt halten Schwarzenborn sogar für älter als Ziegenhain und Treysa. Beweisen lässt sich keine dieser Angaben.

1297 entsteht neben der damals neu gebauten Kirche die Burg Schwarzenborn, vermutlich als Folge eines Erbteilungsstreits in der hessischen Landgrafenfamilie.

1311 amtiert im Ort neben dem Pfarrer ein Schultheiß. Darauf stützt sich die Datierung der Stadtrechte, denn ein Schultheiß war ein gräflicher Beamter mit Sitz in einer Stadt. Schwarzenborn muss die Stadtrechte also schon besessen haben.

1329 belegt ein Kaufvertrag vom 22. Juli die Stadtrechte indirekt. Auf dieses Jahr bezieht sich die Stadt, wenn sie von „fast 700 Jahren Stadtrechten“ spricht.

Fest steht, dass Schwarzenborn den Grafen von Ziegenhain als Grenzfeste im Osten ihres Gebiets diente. Daher stammen Mauer und Burg.

Vom Mittelalter zur Landgrafschaft

1450 stirbt das Geschlecht der Grafen von Ziegenhain aus, und Schwarzenborn fällt an die Landgrafschaft Hessen.

1468/69 wird die Stadt im Erbstreit zwischen den Landgrafen Heinrich III. und Ludwig II. zerstört. 1517 bricht in der Nacht zu Fronleichnam ein Großfeuer aus. Im Dreißigjährigen Krieg wird Schwarzenborn 1636 geplündert und niedergebrannt. Das erklärt, warum von der mittelalterlichen Bausubstanz so wenig übrig ist.

Erhalten ist ein Stück der Stadtmauer, das heute zu den beliebtesten Fotomotiven im Ort gehört. Die evangelische Kirche wurde nach der Chronik der Stadt zwischen 1297 und 1305 errichtet und besteht aus Chor, flach gedecktem Langhaus und einem hohen Westturm. Innen hat sich eine spätmittelalterliche Wandmalerei des heiligen Georg erhalten. Das dreigeschossige Rathaus stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Kirche und Rathaus bilden bis heute die Ortsmitte.

Das 20. Jahrhundert: Das Militär kommt

1934 baut die SA auf dem Knüll ein Lager. 1936 übernimmt die Wehrmacht Lager und Übungsplatz und baut beides aus.

Ob dort gegen Kriegsende auch Angehörige der Organisation „Werwolf“ ausgebildet wurden, ist bis heute ungeklärt. Es gibt Hinweise darauf, gesicherte Quellen fehlen.

Nach 1945 internieren die Alliierten im Lager zunächst Nationalsozialisten. Danach werden dort ehemalige Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht.

In diesen Jahren leben rund 1.800 Menschen in Schwarzenborn, mehr als je zuvor oder danach. Der Ort hat einen Arzt, eine Apotheke, drei Einzelhandelsgeschäfte, zwei Metzgereien, sieben Gaststätten und ein Kino. Nach der Währungsreform ziehen viele der Neubürger ins Rhein-Main-Gebiet, wo es Arbeit gibt.

1949 baut die Stadt eine neue Schule, die heutige Knüllköpfchenschule.

1951 errichtet die US-Armee eine Radarstation auf dem Knüll. Amerikanische Soldaten sind danach über Jahre Stammgäste in den Schwarzenbörner Lokalen.

Am 9. November 1956 übernimmt die Bundeswehr den Truppenübungsplatz. So steht es in der Chronik der Stadt. Andere Quellen nennen 1955, das Gründungsjahr der Bundeswehr.

Am 14. Januar 1959 zerschellt ein Hubschrauber der Heeresflieger im dichten Nebel am Knüllköpfchen. Die Besatzung suchte nach einem abgestürzten Flugzeug. Alle acht Menschen an Bord kommen ums Leben.

Am 1. Januar 1974 wird die bis dahin selbstständige Gemeinde Grebenhagen im Zuge der hessischen Gebietsreform eingemeindet. Seitdem hat Schwarzenborn zwei Stadtteile.

Am 7. Mai 2005 beginnt die Partnerschaft mit der südfranzösischen Gemeinde Saint-Gervais-sur-Roubion.

Am 1. Oktober 2018 nimmt in Schwarzenborn das erste kommunal geführte Medizinische Versorgungszentrum Hessens den Betrieb auf.

Am 1. Juni 2021 wird die Region als Naturpark Knüll anerkannt.

Und heute?

Heute hat Schwarzenborn rund 1.100 Einwohner, einen Lebensmittelmarkt in Bürgerhand, ein kommunales Gesundheitszentrum, einen Bundeswehrstandort und seit 2021 einen Naturpark vor der Tür. Für eine Stadt, deren Gründungsurkunde niemand mehr findet, kann sich das sehen lassen.

Häufige Fragen zur Geschichte

Seit wann hat Schwarzenborn Stadtrechte?

Seit dem 14. Jahrhundert. Belegt ist 1311 ein Schultheiß, die Urkunden selbst sind verloren.

Wie alt ist Schwarzenborn?

Die früheste mögliche Erwähnung als „Suuarzenbrunnen“ stammt aus dem Jahr 812.

Warum steht in Schwarzenborn eine Stadtmauer?

Schwarzenborn war die östliche Grenzfeste der Grafen von Ziegenhain.