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Zu Gast in Schwarzenborn Schwalm-Eder-Kreis

Die Bundeswehr in Schwarzenborn: Knüll-Kaserne und Jägerbataillon 1

Drei Kilometer südwestlich der Stadt liegt die Knüll-Kaserne. Zu ihr gehört ein Standortübungsplatz von rund 1.800 Hektar, davon etwa 800 Hektar Wiesen und Ackerland und rund 835 Hektar Wald. Den Rest bilden Verkehrswege und Gewässer. Allein das Jägerbataillon 1 zählt etwa 1.000 Soldatinnen und Soldaten, hinzu kommen die übrigen Dienststellen und die Zivilbeschäftigten. In der Kaserne arbeiten damit ungefähr so viele Menschen, wie in der Stadt wohnen.

Warum ausgerechnet hier?

Als die Bundeswehr die Jägertruppe nach der Jahrtausendwende neu aufstellte, fiel die Wahl mit Bedacht auf Schwarzenborn. Die Jägertruppe ist 1631 in Hessen entstanden, der Standort liegt also dort, wo die Truppengattung herkommt.

Das zeigt auch das Verbandsabzeichen. Das grüne Schild steht für die Waffenfarbe der Jäger. Das goldene Eichenlaub mit der Eichel ist das Symbol der Truppengattung und passt zugleich zum bewaldeten Knüll. Alle Jäger der Bundeswehr tragen ein grünes Barett mit goldenem Eichenlaub. Im Ort heißen die Soldaten deshalb die Schwarzenbörner Jäger.

Was hier stationiert ist

Jägerbataillon 1 (JgBtl 1)

Das Bataillon hat rund 1.000 Soldatinnen und Soldaten und untersteht der Panzerbrigade 21 „Lipperland“ in Augustdorf, die zur 1. Panzerdivision in Oldenburg gehört. Kommandeur ist seit September 2023 Oberstleutnant Sebastian Hagen.

Die Schwarzenbörner Jäger stellen Kräfte für Eingreifoperationen sowie für die Landes- und Bündnisverteidigung. Ausgebildet sind sie besonders für den Kampf in bebautem und in schwierigem Gelände. Ihr Einsatzgebiet erreichen sie mit eigenen Fahrzeugen, mit Transporthubschraubern oder mit Schlauchbooten. Im Gefecht kämpfen Jäger überwiegend zu Fuß und werden dabei von den Bordwaffen ihrer Gefechtsfahrzeuge unterstützt.

Als Teil seiner Brigade kann der Verband in kurzer Zeit an die Ostflanke des Bündnisgebiets von NATO und EU verlegt werden.

Fernspähkompanie 1

Die Kompanie wurde am 14. Juni 2023 in Schwarzenborn aufgestellt und untersteht direkt der Division Schnelle Kräfte. Anders als die Jäger tragen die Fernspäher ein bordeauxrotes Barett. Ihre Aufstellung war in den letzten Jahren die größte Veränderung am Standort.

Weitere Dienststellen

In der Kaserne arbeiten außerdem ein Sanitätsversorgungszentrum, ein Stützpunkt der HIL GmbH und der Standortservice des Bundeswehrdienstleistungszentrums Homberg (Efze). Eine Zahnarztstation der Bundeswehr liegt mitten im Ort, im Gesundheitszentrum im Eselsweg.

Ebenfalls in Schwarzenborn beheimatet ist das nicht aktive Jägerbataillon 921. Es wurde am 25. Juni 2015 aufgestellt, gehört zur Panzerbrigade 21 und besteht aus Reservistinnen und Reservisten, die die Brigade bei Bedarf verstärken.

Die Geschichte des Platzes

Militärisch genutzt wird das Gelände seit den 1930er-Jahren. 1934 baute die SA auf dem Knüll ein Lager, das die Wehrmacht 1936 mitsamt dem Übungsplatz übernahm und ausbaute. Nach 1945 wurden im Lager zunächst Nationalsozialisten interniert, später lebten dort ehemalige Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Mehr dazu steht auf unserer Seite zur Geschichte.

1956 übernahm die Bundeswehr den Platz. 1959 zog das Panzergrenadierbataillon 51 ein, 1961 folgte das Panzergrenadierbataillon 132, das 1973 in Jägerbataillon 132 umbenannt wurde. 2006 entstand daraus das Jägerregiment 1.

Seit dem 1. Januar 2014 ist der frühere Truppenübungsplatz als Standortübungsplatz eingestuft.

Vom Regiment zum Bataillon

Die Daten werden oft verwechselt, deshalb hier der Reihe nach:

Datum Ereignis
1. Juli 2006 Aufstellung des Jägerregiments 1 mit zehn Kompanien
19. Dezember 2012 Herauslösung aus der Luftbeweglichen Brigade, Unterstellung unter die Panzerbrigade 21
30. Juni 2015 formelle Auflösung des Jägerregiments 1
1. Juli 2015 Aufstellung des Jägerbataillons 1
9. Juli 2015 feierlicher Außerdienststellungsappell des Regiments

Zwischen der formellen Auflösung und dem öffentlichen Appell lagen neun Tage. Je nach Quelle findet man deshalb das eine oder das andere Datum.

Kalter Krieg und heute

Im Kalten Krieg war Schwarzenborn wegen der Nähe zur innerdeutschen Grenze strategisch wichtig. Sie verlief rund 62 Kilometer Luftlinie entfernt, auf der Straße waren es etwa 81 Kilometer. Deshalb lag hier damals so viel Truppe.

Das Regiment und später das Bataillon waren mehrfach im Auslandseinsatz, unter anderem im Kosovo und in Afghanistan. 2016 stellte das Jägerbataillon 1 die Infanteriekomponente der EU Battlegroup. 2020 war rund ein Viertel des Verbandes mit der NATO-Mission Resolute Support in Afghanistan. Im Inland halfen die Schwarzenbörner Jäger bei Hochwasser, während der Corona-Pandemie und nach der Flutkatastrophe im Ahrtal.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 gibt Deutschland deutlich mehr für Verteidigung aus und baut die Streitkräfte wieder auf. Das ist auch in Schwarzenborn zu spüren.

Lärm, Übungen und das Leben nebenan

Auf dem Platz wird geübt und geschossen, und regelmäßig fliegen Hubschrauber. Wer neu herzieht, sollte das wissen. Die meisten Schwarzenbörner nehmen den Übungsbetrieb nach einiger Zeit kaum noch wahr.

Wirtschaftlich ist die Kaserne für den Ort unverzichtbar. Im Nahkauf kaufen Soldaten ein, in der Marktschänke sitzen sie abends, und viele Wohnungen sind an Bundeswehrangehörige vermietet.

Einmal im Jahr packen Stadt und Truppe gemeinsam an. Wenn der August-Franke-Turm auf dem Knüllköpfchen im November zur leuchtenden Adventskerze wird, hilft die Bundeswehr beim Aufbau.

Anschrift

Jägerbataillon 1 / Knüll-Kaserne
Neukirchener Straße 3
34639 Schwarzenborn
Tel.: 05686 999 4304 (Presseoffizier des Jägerbataillons 1)

Häufige Fragen

Welche Einheit ist in Schwarzenborn stationiert?

Das Jägerbataillon 1 und die Fernspähkompanie 1, dazu mehrere kleinere Dienststellen.

Wie groß ist der Standortübungsplatz Schwarzenborn?

Rund 1.800 Hektar.

Kann man den Übungsplatz betreten?

Nein, der Standortübungsplatz ist militärisches Sperrgebiet.

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